Cities Skyline – Das spielen auch Stadtplaner

Städte übersteigen unseren Horizont. Es mag üblich sein, über die Baumaßnahme vor der Haustür zu diskutieren. Aber die wenigsten ordnen ihre Argumente dabei im Kontext des Systems Stadt ein. Wer kann das schon? Das System ist komplex.

Die Stadt im Schaukasten

Wie man eine ganze Stadt gestalten und denken kann, zeigt das Aufbauspiel Cities Skylines. Es hat sich als inoffizieller Nachfolger von SimCity etabliert. In wichtigen Punkten gilt es als detaillierter, realistischer. Das Prinzip aber folgt dem Klassiker von 1989: Die ganze Stadt steckt im Schaukasten. Von oben blickt der Spieler auf die grüne Wiese, zieht Straßen, bestimmt Zonen für die Bebauung. Im Nahverkehr bestimmt der Spieler Bus- und U-Bahnrouten, platziert die Haltestellen. Wächst die Stadt, werden öffentliche Gebäude zum Bau freigegeben, etwa Feuerwachen, Krankenhäuser und Schulen.

Cities Skylines simuliert die Stadt, nicht den politischen Prozess, in dem sie entsteht und sich entwickelt. Als allmächtiger Alleinherrscher können Spieler ihre Metropole aus dem Nichts schaffen. Ein enges Budget kann Spieler zu einer langsameren Entwicklung zwingen; es kann aber auch auf unendlich geschaltet werden. Viele Hürden der Stadtentwicklung werden komplett übergangen. Einwohner kommen anfangs garantiert, auch ohne Strom und fließendes Wasser. Große Baumaßnahmen werden mit wenigen Klicks auf die Landkarte gezaubert. Und wenn ein Plan nicht funktioniert, kann man ohne Reue ganze Stadtteile planieren.

„Stadtplaner nutzen Skylines“ – Interview mit Game Designerin Karoliina Korppoo

Allzu realistisch ist der Titel also nicht. Aber soll er das überhaupt sein? Game Designerin Karoliina Korppoo erklärt im Interview die Stoßrichtung:

 

Science Games: Was war das Designziel?

Korppoo: Wir wollten ein Aufbauspiel mit der Magie und der Spieltiefe alter SimCity-Titel machen. Aber das Interface sollte modern sein, und einige Systeme wollten wir erneuern.

Wie genau wollen Sie eine echte Stadt simulieren?

Skylines ist vor allen Dingen ein Spiel. Die Systeme basieren auf echten Städten, aber wir wollten nur einbauen was auch Spaß macht. Einige Teile sind jetzt realistischer als andere, zum Beispiel der Verkehr. Eine Person, die sich mit Verkehrsplanung auskennt, kann ihr Wissen im Spiel einsetzen. Auch, wenn der Maßstab der Stadt nicht stimmt.

Und wie simuliert man so etwas?

Wir versuchen im Prinzip, lebendige, atmende, Wesen zu erschaffen, die auf die Aktionen des Spielers reagieren.

Welchen Job hat der Spieler?

Stadtplaner, Bürgermeister, Verkehrsplaner – im Spiel gibt es viel zu tun. Spieler haben viele Jobs auf einmal. Von der Auswahl der Energieversorgung bis zum Bau jeder einzelnen Straße.

Warum wollten Sie sich nicht für konkretere Rollen entscheiden?

Weil wir damit bestimmt nicht so viele Spieler erreicht hätten. Es ist doch unwahrscheinlich, dass eine realistische Simulation einzelner Jobs so viel Erfolg gehabt hätte, wie unsere vereinfachte Spielversion.

Haben Sie sich mit professionellen Stadtplanern zusammengesetzt? Mit Akademikern?

Nein, dagegen haben wir uns früh entschieden. Wir haben die Abkürzung genommen und andere Spiele im Genre untersucht. Es gibt schon viele erfolgreiche Stadt-Aufbauspiele und die zeigen uns was in dem Genre normalerweise funktioniert und was nicht.

Und haben Sie nach der Fertigstellung von Profis gehört?

Ja, einige Stadtplaner benutzen Skylines sogar zum Entwerfen und für schnelle Visualisierungen. Dass man bei uns Höhenkarten importieren kann, ist dafür wohl sehr nützlich. Und unser flexibles Straßenbautool ist hervorragend geeignet für schnelle Visualisierungen neuer Brücken oder Tunnel. Das Verkehrssystem im Spiel kann dann sogar andeuten, welchen Effekt eine neue Route in der Wirklichkeit hätte.

Stadtplaner spielen also Cities Skylines?

Viele Stadtplaner haben schon als Kinder und Jugendliche SimCity gespielt. Wir hoffen, dass Skylines dieselbe Rolle für die Stadtplaner von morgen spielt.

Skylines schärft den Blick für verschiedene Ebenen des Systems Stadt. All zu realistisch muss es nicht immer sein, um das zu erreichen. Das Spiel ist für Windows PC und Mac ab 25 Euro erhältlich.
Jan Bojaryn