Forgotten Island – Point-and-Click-Forschung

Eine junge Wissenschaftlerin erwacht ohne Gedächtnis, dafür aber mit einem seltsamen Helm auf dem Kopf. Sie taumelt in ein unbekanntes Labor, hört noch ein letztes Ticken – dann explodiert die Bombe! Und mit einem Knall ist die Forschungsarbeit von mehreren Jahren zunichtegemacht.

Diesen Albtraum eines jeden Wissenschaftlers haben Studenten und Mitarbeiter der US-amerikanischen Syracause University in dem hübschen Point-and-Click-Adventure Forgotten Island verarbeitet. Das Spiel ist 2013 im Rahmen des Citizen Sort-Projekts entstanden, bei dem Gaming mit wissenschaftlicher Arbeit kombiniert werden soll. Das bedeutet zum einen, dass Spieler sich als Teil des Abenteuers inhaltlich mit dem Thema im weitesten Sinne auseinandersetzen, zum anderen allerdings auch, dass beim Spielen tatsächlich aktiv zu realen Forschungsprojekten beigetragen wird.

Biologische Lohnarbeit 

Bei Forgotten Island funktioniert das so: Die Heldin trifft nach der Explosion auf einen extrem mies gelaunten Roboter, der einen mysteriösen, mutmaßlich eher düsteren Plan verfolgt, und sehr konkrete Anweisungen für unsere Forscherin hat. Mangels Alternativen lässt sie sich darauf ein und macht sich auf die Suche nach diversen Gegenständen. Die meisten davon sind allerdings nicht umsonst zu haben, sondern müssen bei einem wesentlich freundlicheren Roboter erworben werden, der im Hafen einen Schwarzmarkt für exakt die Items betreibt, die der Spieler gerade braucht. Praktisch! Da allerdings nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Taschen der Heldin leer sind, muss erstmal Geld verdient werden, und zwar durch wissenschaftliche Lohnarbeit, von der es dank der Explosion reichlich zu verrichten gibt.

Wer Wissen schafft, muss fleißig sein

Während des Spiels fallen stetig kleine Bilder vom Himmel. Es handelt sich um Aufnahmen von klassifizierten Schmetterlingen, die bei dem Unfall aus dem Labor gesprengt und nun neu eingeordnet werden sollen. Pro Exemplar muss der Spieler verschiedene Charakteristika bestimmen: Flügelposition, Muster und die verschiedenen Farben. Der Spieler wird so mit der Praxis von Biologen vertraut gemacht, tatsächlich leistet er aber auch einen wissenschaftlichen Beitrag, indem er diese realen, von Laien aufgenommenen Naturfotos mithilfe gängiger Klassifikationsschemata analysiert und das Ergebnis den Wissenschaftlern der Universität zur Verfügung stellt. Im Spiel gibt es für jeden klassifizierten Schmetterling Geld – und davon braucht man einiges. Im gesamten Spielverlauf müssen deshalb hunderte Arten bestimmt werden, was nach der ersten Neugier schnell zu mühsamer Fleißarbeit wird. Deshalb empfiehlt es sich, Forgotten Island in eher kleinen Dosen zu spielen. Dazu bietet sich das Spiel glücklicherweise auch in seinem inhaltlichen Aufbau an, die Level sind klar voneinander getrennt und es kann jederzeit gespeichert werden.

Generell überzeugt Forgotten Island mit seinem liebevollen Aquarell-Look, lustigen Dialogen und eingängigem Sound-Design. Die typischen Point-and-Click-Mechanismen wie die Kombination von Inventar-Gegenständen und die Auswahl von Dialogen mit Non-Player-Charakteren sind dagegen eher rudimentär ausgefallen, der Aktionsspielraum ist insgesamt relativ limitiert. Die Spielmotivation kann aber trotzdem aufrechterhalten werden, weil die Verbindung zur realen wissenschaftlichen Forschung anspornt.

Fazit: Weckt mit charmantem Design, lustigen Charakteren und wissenschaftlicher Relevanz Interesse an biologischer Praxis. Empfehlung zum Spielen in mehreren Etappen.

Claudia Reinhard