Hacknet – Das Klappern der Tasten

Hacken macht keinen Spaß. Hacken sieht langweilig aus. Hacken ist unverständlich. Diese weit verbreiteten Ansichten stehen auf der einen Seite. Auf der anderen stehen schillernde Außenseiter, die einem begeisterten Publikum von den verwegenen, kreativen Strategien erzählen, mit denen sie Sicherheitssysteme aushebeln. Hacken hat eben doch eine Faszination. Aber wie ist sie transportierbar? Hacknet versucht es mit dem Appell an ein Gefühl, das viele Computerbenutzer noch kennen: Die Aufregung beim ersten Kontakt.

Die erste Begegnung mit einer Eingabeaufforderung hat viele Menschen geprägt – zuerst ratlos und eingeschüchtert vor dem blinkenden Cursor zu sitzen, dann erste Aha-Erlebnisse zu feiern und sich schließlich mit wachsender Selbstzufriedenheit beim schnellen Heruntertippen komplexer Manöver zu beobachten. Mehrschrittige Befehle passten in eine kurze, elegante Zeile. Wer sich in dieser Umgebung zu Hause fühlt, der muss jede noch so elegante grafischen Benutzeroberfläche als indirekt und umständlich erleben.

Schmusen mit dem Cursor

Hacknet rückt die Eingabeaufforderung in den Mittelpunkt des Spiels. Es setzt seine Spieler als Hacker vor ein einfaches virtuelles Betriebssystem. Viele Befehle lassen sich mit der Maus steuern, einige sind so durchaus schneller erreichbar. Aber vor allem wird getippt. Schnelles Tippen und eine sichere Beherrschung der Funktion zur Autovervollständigung sind eine Voraussetzung, um im Spiel voran zu kommen. Und das wirkt auf unheimliche Weise realistisch, denn Syntax und Befehle wurden weitgehend von UNIX übernommen; Verzeichnisse werden mit „cd“ gewechselt, Dateien mit „rm“ gelöscht. Noch bevor der erste Hack startet, bekommen Spieler das Gefühl, sich wirklich durch Computer im Netzwerk zu bewegen.

Aber es bleibt nicht nur bei der Anmutung. Hacknet greift Arbeitsschritte echter Hacker auf. Ports werden auf Schwachstellen untersucht, dann gezielt angegriffen. Einmal im System, werden Dateien ausspioniert, gestohlen oder gelöscht und Spuren verwischt. Die eigentlichen Arbeitsschritte sind stark vereinfacht. Der Angriff auf einen Port erschöpft sich etwa in dem immer gleichen Aufruf des immer gleichen Programms. Programme stellen ihren Arbeitsfortschritt in abstrakten, überflüssigen Animationen dar. Aber der grundsätzliche Ablauf eines Hacks wirkt glaubwürdig.

Schattenspiele

Hacknet erzählt auch eine Geschichte. Der Hacker Bit hat ironischer Weise ins Gras gebissen. 14 Tage nach seinem Verschwinden wird ein Failsafe ausgelöst, eine automatische Botschaft des Toten. Spieler erhalten eine E-Mail mit Anweisungen, wie sie das System und das Wissen von Bit nutzen können. Sie sollen sich einem Hackerkollektiv anschließen und das Geheimnis um Bits Verschwinden zu lösen. Natürlich werden sie auf dem Weg durch die Geschichte selbst zu Hackerlegenden.

Die überraschungsarme Geschichte steht über weite Strecken im Hintergrund. Sie wird durch E-Mails erzählt, die nach wichtigen Fortschritten in der Inbox landen. Die Post gibt dem Spiel auch abseits der Story seine Struktur. Wer sich auf dem Bulletin Board als Hacker verdingt, bekommt Aufträge ebenfalls per Mail zugestellt. Für welche Hacks sie sich anheuern lassen und welche moralischen Maßstäbe sie dabei gelten lassen, liegt letztendlich bei den Spielern. Bit und das Kollektiv geben Maßstäbe vor, aber Spieler dürfen die Grenzen auch übertreten. So gelingt es Hacknet, relevante ethische Fragen zu thematisieren.

Hacknet demonstriert, wie eine Hacking-Simulation funktionieren kann. Als hektisches, kurzweiliges und vergleichsweise kurzes Puzzlespiel ist es gleichermaßen unterhaltsam und erhellend. Die Aufträge wirken glaubwürdig, die Kultur der Hacker gut getroffen. Die Arbeitsschritte beim Hacken hätte man vielleicht kleinschrittiger, variantenreicher, wirklichkeitsnäher zeigen können. Aber damit hätte sich das Spiel noch weiter in eine ohnehin kleine Nische begeben.

Hacknet ist für Windows-, Mac- und Linux-PCs erhältlich und kostet 10 Euro.

Jan Bojaryn