JCB Pioneer: Mars – Die Zukunft, leicht zugespitzt

Die Landung auf dem Mars wird hoffentlich ganz anders laufen, als in diesem Spiel. Kaum raus aus der Landekapsel öffnet sich der Blick auf einen feurigen Meteoritenschauer, und dieses tödliche Hindernis muss auf dem Weg zur rettenden Basis zu Fuß durchquert werden. Mit dem dramatischen Einstieg macht JCB Pioneer: Mars eines deutlich – es will ein unterhaltsames Spiel sein, und kein Trainingsprogramm für angehende Astronauten. Spieler schlüpfen in den Raumanzug und müssen die Basis auf dem Mars aufbauen, erhalten und reparieren. Sie erkunden den Planeten, forschen und sammeln Materialien. Aber das Leben auf dem Mars ist beschwerlich: Regnen gerade keine Meteoriten, dann lauern Strahlung, Säurenebel und statisch geladene Staubwirbel auf die Pioniere. Gut, dass es Erkundungsfahrzeuge von JCB gibt, die etwas Schutz bieten und lange Strecken abkürzen. Die wuchtigen Karren wirken vom Start weg glaubwürdig. Sie wurden tatsächlich von Ingenieuren des Britischen Maschinenherstellers designt.

Zum Artikelzeitpunkt ist das Spiel gerade im Early-Access-Programm von Steam gestartet, es ist also nur in einer Vorab-Version erhältlich. Die Grafik wirkt bereits überzeugend; der vermeintliche Wüstenplanet überrascht Spieler mit Schluchten, Höhlen und Hügeln. Stimmungsvoll und realistisch wirken dabei vor allem die Wetterffekte. Wenn die Sicht im wirbelnden Staub gegen Null geht, mag das frustrierend sein, aber auch angemessen. Die Struktur des Spiels lehnt sich dagegen eher an gerade aktuellen Survival- und Aufbauspielen an, mit vorgekauten Reparatur- oder Aufbauarbeiten zum nacharbeiten. Die abgebauten Mineralien und ihre Verwendung mögen realistisch sein, aber letztendlich klicken Spieler Konstrukte zusammen und verschießen mit einer Art Gewehr allheilende Nanopartikel. Eine feste Missionsstruktur bekommt das Spiel zumindest anfangs mit den Empfehlungen einer Künstlichen Intelligenz.

„Genau recherchiert“ – Interview mit Beraterin Maggie Lieu

Sie beraten das Team wissenschaftlich. Woher wissen Sie, wie es auf dem Mars aussehen würde?

Ich bin Research Fellow an der ESA. Ich bin Astrophysikerin. Ich forsche zwar nicht zum Mars, eher an Galaxie-Clustern und Dunkler Materie, aber ich bin auf der Shortlist für einen One-Way-Trip auf den Mars. Deswegen habe ich schon vorher genau recherchiert, wie die Reise, wie die Kolonisierung funktionieren würde.

Sie sind für die Beurteilung verantwortlich, ob etwas realistisch ist?

Das Team stellt mir Fragen wie: Welche Gefahren können wir auf den Mars stecken? Und dann antworte ich etwa: Säurenebel. Die Säurenebel auf dem Mars werden nicht so ätzend sein, wie hier im Spiel. Aber es gibt Anzeichen, dass es sie geben könnte. Auf dem Mars gab es aktiven Vulkanismus, und die Ausbrüche dürften säurehaltig gewesen sein. Zusätzlich beobachten wir auf dem Mars Korrosion an Steinen, die durch Säure verursacht worden sein könnte. Daraus sind dann im Spiel gigantische säurehaltige Areale geworden.

Ungewöhnlich wirken auf mich die dramatischen Gebirgszüge im Spiel. Sieht der Mars wirklich so aus?

Wir sind bisher nur auf der nördlichen Hemisphäre gelandet. Die ist sehr flach, und deswegen gut für Landungen geeignet. Der Süden ist gebirgiger, deswegen waren wir da bisher noch nicht. Und auf diesem Bereich des Mars basiert das Spiel. Wir verwenden echte Höhendaten, die der Mars Reconnaissance Orbiter aufgezeichnet hat; das ist ein Nasa-Satellit mit einer hochauflösenden Kamera namens HiRISE, der wirklich eine Höhenkarte für den Planeten erstellt hat.

Wir haben beim Anspielen gerade einen kaputten, alten Rover in einer Höhle entdeckt. Das ist aber mehr Fiction, als Science, oder?

Wir erwarten zumindest, dass es auf dem Mars Lavaröhren gibt. Nach vulkanischer Aktivität gibt es normalerweise Höhlensysteme. Weil unsere Rover mit Solarpanels arbeiten, können wir die aber bisher nicht erkunden. Die Funkübertragung aus den Höhlen heraus wäre auch ein Problem. Das müssten schon Menschen machen.

Sie haben auch eine Sprechrolle im Spiel, oder?

Ja, ich spreche die Künstliche Intelligenz. Auch ihr Erscheinungsbild ist mir nachempfunden.

Fazit:
Wie groß das Spiel noch werden kann, wie tief die Simulation gehen wird, das ist anhand der frühen Vorabversion nicht absehbar. Aber jetzt schon beeindruckt der Titel mit guten Ideen und überzeugender Präsentation. Diese Raumbasis wird nicht auf Sand gebaut.
Jan Bojaryn