Solve the Outbreak – Ausbildung zum Seuchen-Detektiv

BSE, Schweinegrippe, EHEC und Ebola. Das sind nur ein paar Namen von Epidemien die sich durch massive Medienpräsenz in den letzten Jahren in unsere Köpfe eingebrannt haben. Sie stehen für Gefahr, Tod, Panik. EHEC im gleichen Maße wie die Schweinegrippe, auch wenn an der Viruserkrankung 370 mal so viele Menschen gestorben sind wie an dem E.Coli-Bakterium, das, genau!, durch Sprossen und nicht durch Gurken nach Deutschland kam. Den Krimi um diese Herkunft konnten die Menschen wochenlang in der öffentlichen Berichterstattung mitverfolgen. In Supermärkten und Kantinen machte sich die Unsicherheit breit, Salatgurken wanderten massenhaft in den Müll. Über die Sinnhaftigkeit von solchen Kommunikationsstrategien muss der Spieler in Solve the Outbreak entscheiden. Wann wird die Gesundheitsbehörde informiert, wann Schulen geschlossen? Und wann sollte man besser einfach Ruhe bewahren und mit kühlem Kopf Statistiken auswerten?

Epidemien auf den Grund gehen

Die Ipad-App Solve the Outbreak wurde von den CDC (Centers of Disease Control and Prevention) entwickelt, einem Teil des US-amerikanischen Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste. Die Hauptaufgabe der CDC ist der Schutz der öffentlichen Gesundheit und das bedeutet unter anderem die möglichst schnelle und effektive Bekämpfung von Epidemien. Wie diese Arbeit aussieht, soll in Solve the Outbreak vermittelt werden, freilich in extrem vereinfachter Form. Der Spieler wird durch erfolgreiches Gameplay für den Beruf mit dem sympathischen und tatsächlich gebräuchlichen Titel „Disease Detektive“ ausgebildet. Diese sind bei den CDC dafür verantwortlich, potenziellen Epidemien auf den Grund zu gehen, also mit Kranken zu sprechen, Statistiken zu prüfen, mögliche Ursachen zu untersuchen usw. und anschließend die angemessenen Maßnahmen zu ergreifen. Genau das sind also auch die Aufgabe des Spielers.

Spielerischer Umgang mit realistischen Horror-Szenarien

Insgesamt 19 gefährliche Krankheitssituationen gilt es zu entschärfen. Die Fälle an sich sind fachlich interessant und behandeln die emotionalen Themen angemessen pragmatisch. Denn auch wenn es im Medium Computerspiel regelmäßig passiert, ist es doch immer wieder eine moralische Gratwanderung, realistische Todesfälle spielerisch zu verwerten, vor allem, wenn, wie hier, eine Organisation mit öffentlichem Auftrag hinter der Entwicklung steht. Der Spieler kann sich anhand weniger Grundinformationen für einen Task entscheiden: Anzahl der Kranken und der ins Krankenhaus eingelieferten, Anzahl der Todesopfer und Ort der Epidemie. Hat man sich für einen Fall entschieden, bekommt der Spieler insgesamt fünf Hinweise, nach denen er sich jeweils für eine von drei möglichen Handlungsoptionen entscheiden muss. In Nigeria sind 118 Kinder an einer mysteriösen Krankheit gestorben. Was tue ich als nächstes? Das ganze erstmal aus der Ferne im Blick behalten? Die nigerianischen Behörden anweisen, mehr Informationen zu sammeln oder sofort in das betroffene Dorf reisen? Zu den verschiedenen Hinweisen stehen zusätzlich Statistiken, Gesundheitstipps und medizinische Informationen zur Verfügung. Manche davon braucht man, um die richtige Entscheidung zu treffen, andere sind interessantes Beiwerk.

Panik-Prävention

Die Fälle sind auf zwei Level aufgeteilt, was nur bedingt Sinn macht, weil der Schwierigkeitsgrad immer gleich bleibt. Das Ziel, Level 2 freizuschalten, steigert zwar die Motivation, allerdings stellt sich anschließend die Enttäuschung ein, wenn man merkt, dass es genauso weitergeht wie vorher. Das gleichbleibende Niveau kann zwar die Lust mindern, alle Tasks zu lösen, das ist aber auch nicht nötig, damit sich der Zweck des Spiels erfüllt. Von den konkreten Medizin-Infos werden die meisten wahrscheinlich nur bei überdurchschnittlich interessierten Spielern hängenbleiben, darauf legt Solve the Outbreak aber auch nicht den Fokus. Wichtiger ist augenscheinlich, und das gelingt, zu vermitteln, wie der systematische Umgang mit Epidemien aussieht. Das macht die Spieler zu mündigeren Konsumenten von Nachrichten zu entsprechenden Themen und kann idealerweise dazu beitragen, im Ernstfall Panik zu vermeiden. Und wer tatsächlich Disease Detective werden will, bekommt die entsprechenden Informationen an die Hand.

Fazit: Schöne App mit simplem Spielprinzip und erfolgreich kommunizierter Botschaft. Ein bis zwei Stunden spielen genügt.
Claudia Reinhard