Uplink – Hacken wie in Hollywood

Wie sieht Hacking aus? Filme der Neunziger Jahre popularisierten ein Bild: Verwegene Außenseiter kauern vor geisterhaft grün oder blau leuchtenden Monitoren, tippen emsig, werfen glegentlich einen Blick auf wabernde Textkolonnen oder Diagramme vor ihnen. Von „Sneakers“ bis „Swordfish“ erstreckte sich das Glimmen. Ein britisches Entwicklertrio fand in der Karikatur die Inspiration für ein Computerspiel. Diese Version des Hackens war aufregender, zugespitzter und zugänglicher, als jede Annäherung an den echten Akt.

Introversion Software veröffentlichte Uplink 2001. Es wurde ein Erfolg, und heute noch liefert das Spiel eine immer wieder verwendete Blaupause für Spiele über Daten, Netzwerke und Hacken. Uplink verkleidet sich als das normale Interface eines Computers. Buttons für den Start von Anwendungen, Kurzbefehle und wichtige Infos sind ungefähr da, wo sie hingehören. Es sieht nur alles etwas blauer aus, die Navigation ist umständlicher, die Schrift kleiner. Und mit heutigen Augen wirkt das Interface unfreiwillig komisch. Die fiktive Zukunft des Jahres 2010 erinnert frappierend an Internetseiten der Neunziger Jahre. Aber das passt durchaus in das erklärte Ziel – auch in Hollywood-Hackerfilmen ist selten ein verständliches, nutzerfreundliches Interface zu entdecken.

Schnell denken, schneller klicken

Der Großteil des Spiels findet in diesen unansehlichen Menüs statt. Hier müssen die frischgebackenen Hacker Aufträge annehmen und ausführen. Missionen folgen einem einfachen Muster: Aufträge werden in Foren gepostet; meist geht es um den Diebstahl oder die Zerstörung von Daten. Ist der Auftrag angenommen, muss der Hacker eine Verbindung zum Ziel über möglichst viele Proxy-Server aufnehmen, um seine Spur zu verschleiern. Auf dem fernen Rechner werden dann mit allerlei Tools Passwortkontrollen und Firewalls überwunden.

Ohne die unablässig tickende Uhr wäre das alles sehr einfach. Aber sobald das ferne System den illegalen Zugriff bemerkt, verfolgt es die Spuren des Hackers durch die Proxy-Server. Der Hit muss abgeschlossen, die verräterischen Logs müssen gelöscht werden, bevor der Hacker enttarnt ist. Uplink ist ein ständiger Kampf gegen kopflose Hektik. Jede Mission sollte vorher genau durchdacht und dann möglichst schnell abgespult werden. Unter Zeitdruck klicken Spieler auf frickelige kleine Knöpfe, um Tools auszuwählen, Menüs zu durchqueren und Prozessprioritäten zu managen. Gelegentlich tippen sie sogar einen Befehl in eine Eingeabeaufforderung. Aber die Mausakrobatik steht im Vordergrund.

Hacken ist machbar

Mit Uplink führte ein kleines Team mit kleinen Mitteln einen wichtigen Beweis: Die Aktivität des Hackens eignet sich für unterhaltsame, sogar aufregende Spiele. Das Spielerlebnis mag sich eher für ein Nischenpublikum eignen, aber es funktioniert als hektische Puzzle-Action sehr gut. Mit der Realität hat Uplink in vielen Punkten nichts gemein: Hacker sind in dieser Welt einsame Wölfe, keine starke und bunte Community. Die Arbeit des Hackers ist hier nicht besonders kreativ, sie erfordert selten originelle Einfälle, gründliche Recherche oder schnelle Kombinationsgabe.

In vielen Punkten wirkt Uplink aber immer noch sehr glaubwürdig. Spielen fühlt sich wirklich wie Hacken an, und das liegt nicht nur am Hollywood-Nachleuchten auf der Netzhaut – eher am Gefühl, konzentriert einen Plan ausführen zu müssen, kühl reagieren, den Überblick behalten zu müssen. Der Druck ist echt: Spielstände werden in Uplink nicht gespeichert, und wer erwischt wird, der kann eine neue Karriere starten. Und viele Stichwörter des Spiels wirken eben doch realistisch: Proxy-Server, IP-Adressen, Passwortkontrollen, Serverlogs. Und dass Hacker in dem Spiel nicht selber coden, sondern einen Tool-Baukasten auf dem Schwarzmarkt zusammenkaufen, das passt heute besser, als 2001.

Uplink bleibt eines der realistischsten Spiele über Hacking; auch, wenn es einen komplexen Akt stark vereinfacht, auch wenn es sich nicht besonders um Realismus bemüht. Es hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, virtuelle Nutzeroberflächen als legitimes Spielinterface populär zu machen. Den Ansatz haben seitdem viele Titel weiter entwickelt. Aber auch der Blick auf Uplink selbst bleibt aufschlussreich und unterhaltsam.

Uplink ist für PCs und Tablets erhältlich und kostet 4 bis 10 Euro.

Jan Bojaryn

Links